Ist „Drive“ von R.E.M. aus den Achtzigern?

Natürlich nicht. Aber vorhin hatte ich es genau so in der Anmoderation auf „Radio Berlin“ gehört. Sarah Zerdick kam im Abendprogramm darauf zu sprechen, daß doch alles und jeder heutzutage ein Comeback oder eine Wiedervereinigung plane und hinbekomme, und flachste dann, daß R.E.M. aber eine Band sei, wo man sich das wirklich mal wünsche. Tja, und dann behauptete sie dreist, als die ersten Töne ansetzten, daß nun „Drive“ aus den Achtzigern erklinge.

Dabei hatte R.E.M. eigentlich nur einen wirklichen Hit in den Achtzigern und ist eine typische Neunziger-Band, die man mit Liedern wie „Losing my religion“, „Man on the moon“ oder auch „Everybody hurts“ in Verbindung bringt. Jedenfalls hört man im Radio äußerst selten ihren Achtzigerjahre-Hit „It‘s the end of the world as we know it“. „Drive“ ist vom Album „Automatic for the people“, einem typischen Neunzigerjahre-Album, dessen Name und Cover bezugnehmen auf den Zusammenbruch des Kommunismus.

Warum ich das schreibe? Weil es immer wieder vorkommt, daß Radiomoderatoren so offensichtliche Fehler machen wie den obigen und dabei Lieder falschen Jahrzehnten zuordnen. Dabei kennen sich diese Leute eigentlich besser aus bezüglich der Musikhistorie.

Tatsächlich ordnen nicht wenige Moderatoren Lieder aus den frühen Neunzigern immer wieder den Achtzigern zu. Das habe ich schon häufiger erlebt. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, daß ich es auch schon einmal erlebte, wie ein Moderator vermutlich desselben Senders „Losing my Religion“ als Achtziger ankündigte. Dabei ist ja gerade dieses Lied eine Ikone der Neunziger.

Vielleicht steckt hinter diesem Phänomen ja eine Weltverschwörung der Kulturpessimisten, die auch noch das letzte gute Lied aus den Neunzigern umetikettieren wollen, um ihr Narrativ vom musikalischen Katastrophen-Jahrzehnt weiter kultivieren zu können.

Dabei sind die darauffolgenden Jahrzehnte noch um einiges schlimmer.

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