„Disco 2000“ – Pulp

Veröffentlichung: November 1995
Thema: unerfüllte Liebe, Zukunftsphantasien
Genre: Britpop
Album: Different class

Großbritannien: Platz 7
Deutschland: Platz 47

 

 

Vor ein paar Monaten saß ich einmal gegen Mitternacht im McDonald‘s am Potsdamer Platz ziemlich alleine im ersten Obergeschoß und hörte, wie ein tolles Lied seinen Anfang nahm. Ich war guter Laune, genoß die Stimmung und mir war klar, daß das Lied ein Klassiker sein mußte, einen besonderen Esprit hat.

Bei der Stimme und dem ironischen Stil dachte ich an Bob Geldof und mutmaßte schon, ein Lied aus den Siebzigern vor mir zu haben, das ich irgendwie noch nicht kannte.

Es dauerte eine Weile, bis ich begriff, daß es sich um einen profanen Neunziger handelt, nämlich „Disco 2000“ von Pulp. Ich war immer noch beseelt und genoß dieses herrliche Lied.

Daß ich dabei die Assoziation von Bob Geldof und den späten Siebzigern hatte, ist natürlich ein außerordentliches Kompliment. Eigentlich ist es fast unglaublich, daß mitten in den Neunzigerjahren noch ein Lied von solch einer Virtuosität entstehen konnte.

Allein dieses Lied zerstört fulminant das Narrativ vom angeblichen Katastrophenjahrzehnt, das die Neunziger nach Meinung diverser Miesepeter darstellen sollen.

Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, daß ich für diese Recherche auf Wikipedia lesen durfte, daß das Lied auch Verwendung fand in einer Folge der Retro-Serie „Life on Mars“, die die Siebzigerjahre auf‘s Korn nimmt.

Wikipedia ist ebenfalls zu entnehmen, daß Pulp-Sänger Jarvis Cocker für das Lied eine reale Begebenheit aus seiner Kindheit verarbeitete. Er war verliebt in ein sehr beliebtes Mädchen, aber chancenlos, und malte sich aus, wie es wohl wäre, wenn sie beide sich im Jahr 2000 wiedersähen, wenn sie erwachsen sind.

Das Gitarrenriff in „Disco 2000„ soll angeblich inspiriert sein von Umberto Tozzis Hit „Gloria“ von 1979. Da sind sie schon wieder, die späten Siebziger. So hörte sich das Lied für mich an dem Abend auch an.

Mögen die Miesepeter dieser Welt schweigen und sich um die Nuller- und Zehnerjahre kümmern. Da gibt‘s deutlich mehr zu holen für kulturpessimistisch Veranlagte.

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