Ist „Drive“ von R.E.M. aus den Achtzigern?

Natürlich nicht. Aber vorhin hatte ich es genau so in der Anmoderation auf „Radio Berlin“ gehört. Sarah Zerdick kam im Abendprogramm darauf zu sprechen, daß doch alles und jeder heutzutage ein Comeback oder eine Wiedervereinigung plane und hinbekomme, und flachste dann, daß R.E.M. aber eine Band sei, wo man sich das wirklich mal wünsche. Tja, und dann behauptete sie dreist, als die ersten Töne ansetzten, daß nun „Drive“ aus den Achtzigern erklinge.

Dabei hatte R.E.M. eigentlich nur einen wirklichen Hit in den Achtzigern und ist eine typische Neunziger-Band, die man mit Liedern wie „Losing my religion“, „Man on the moon“ oder auch „Everybody hurts“ in Verbindung bringt. Jedenfalls hört man im Radio äußerst selten ihren Achtzigerjahre-Hit „It‘s the end of the world as we know it“. „Drive“ ist vom Album „Automatic for the people“, einem typischen Neunzigerjahre-Album, dessen Name und Cover bezugnehmen auf den Zusammenbruch des Kommunismus.

Warum ich das schreibe? Weil es immer wieder vorkommt, daß Radiomoderatoren so offensichtliche Fehler machen wie den obigen und dabei Lieder falschen Jahrzehnten zuordnen. Dabei kennen sich diese Leute eigentlich besser aus bezüglich der Musikhistorie.

Tatsächlich ordnen nicht wenige Moderatoren Lieder aus den frühen Neunzigern immer wieder den Achtzigern zu. Das habe ich schon häufiger erlebt. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, daß ich es auch schon einmal erlebte, wie ein Moderator vermutlich desselben Senders „Losing my Religion“ als Achtziger ankündigte. Dabei ist ja gerade dieses Lied eine Ikone der Neunziger.

Vielleicht steckt hinter diesem Phänomen ja eine Weltverschwörung der Kulturpessimisten, die auch noch das letzte gute Lied aus den Neunzigern umetikettieren wollen, um ihr Narrativ vom musikalischen Katastrophen-Jahrzehnt weiter kultivieren zu können.

Dabei sind die darauffolgenden Jahrzehnte noch um einiges schlimmer.

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„Wuthering Heights“ – Kate Bush

Veröffentlichung: Januar 1978
Thema: Romantische Liebe über den Tod hinaus
Genre: Pop
Album: The kick inside

Großbritannien: Platz 1
Deutschland: Platz 11

Liedtext

Kate Bush wurde 1958 in einem Vorort von London geboren und heißt eigentlich Catherine Bush. Sie wuchs in einer musikalisch und künstlerisch interessierten Familie auf, schrieb früh Gedichte und wurde bereits in jungen Jahren 1973 von David Gilmour, dem Gitarristen von Pink Floyd entdeckt, der sie förderte. The kick inside nahm sie mit Musikern auf, die eigentlich zur Stammformation von The Alan Parsons Project gehörten.

„Wuthering Heights“ war Debütsingle und erster Nummer-eins-Hit von Kate Bush, die damit auch die erste Frau in der Geschichte der britischen Charts war, die mit einer Eigenkomposition die Spitze erklomm.

Das Lied ist eine Vertonung des in Großbritannien sehr bekannten Romans „Wuthering Heights“ („Sturmhöhe“) von Emily Brontë aus dem 19. Jahrhundert.

Zu „Wuthering Heights“ wurden zwei Musikvideos gedreht, eines für die britische, eines für die amerikanische Veröffentlichung des Liedes. Das zweite Video wird auch als „Red dress version“ bezeichnet, da Kate Bush hier in freier Natur und in einem roten Kleid tanzend zu sehen ist. „Wuthering Heights“ ist bis heute die meistverkaufte Single von Bush.

Abschließend noch einige Youtube-Kommentare:
„When you’re 18 and write one of the most iconic songs of the 20th Century…“

„Fun Fact: Kate Bush and Emily Bronte, the author of Wuthering Heights, share the same birthday on 30th of July.“

„This always makes me want to buy that dress and Dance like that. My wife does not know that.„

„Him“ – Rupert Holmes

Aufnahme: 1979
Veröffentlichung: Januar 1980
Thema: Eifersucht
Album: Partners in crime

US-Billboard Hot 100: Platz 6
Deutschland: Platz 32

Liedtext

Rupert Holmes wurde 1947 als David Goldstein in England geboren, wuchs aber in den USA im Bundesstaat New York auf. Bevor er Mitte der 70er als Solokünstler erfolgreich wurde, arbeitete er als Studiomusiker und komponierte Melodien u.a. für Gene Pitney, The Platters und The Drifters. Durchbruch mit dem Album „Widescreen“ 1974. Für sein zweites Album „Rupert Holmes“ (1975) verglich ihn der „Rolling Stone“ mit Bob Dylan und lobte seine Originalität.

Bekanntester Hit ist „Escape“ vom selben Album, auf dem „Him“ zu hören ist, besser bekannt als „Pina Colada Song“. Holmes versuchte sich auch erfolgreich als Drehbuch- und Romanautor sowie als Schöpfer von Musicals und Theaterstücken.

PS: Das Lied braucht eine Weile, um auf Touren zu kommen.