„Money don’t matter 2 night“ – Prince

Aufnahme: 1990
Veröffentlichung: 1992
Thema: Armut, soziale Mißstände
Genre: Philadelphia Soul
Album: Diamonds and pearls

US Billboard Hot 100: Platz 23
Großbritannen: Platz 19
Niederlande: Platz 7

 

 

Eine echte Überraschung war für mich dieses Lied von Prince & The New Power Generation, das ich vor ein paar Wochen im Radio hörte. Ich war sehr angetan und felsenfest davon überzeugt, daß es sich bei dem Lied um einen selten gespielten Achtziger von Prince handeln müsse, den ich bisher noch nicht kannte. Das suggerierte mir jedenfalls der Sound, der perfekt in dieses Jahrzehnt paßte.

Die Recherche zu diesem Artikel belehrte mich dann eines Besseren. Das Lied wurde offenbar im Spätsommer des Jahres 1990 aufgenommen. Das erklärt vielleicht, warum es sich noch so sehr nach Achtziger anhört. Aber nichts für ungut. Denn der Prince-Song illustriert einmal mehr eine wichtige Grundthese dieses Blogs: Die Neunziger – insbesondere deren erste Hälfte – sind mitnichten das musikalische Katastrophen-Jahrzehnt, als das es uns neunmalkluge Kulturpessimisten immer wieder verkaufen wollen. Ein wahrer Schatz kann hier geborgen werden.

Prinzens Song ist ein sozialkritisches Lied, das Armut, Geld und Habgier zum Thema hat. Im dazugehörigen Musikvideo, das von Spike Lee gedreht wurde, ist eine afroamerikanische Familie zu sehen, die mit Armutsproblemen zu kämpfen hat. Prince kommt in diesem Video nicht vor, das laut Wikipedia als „überpolitisch“ und nicht „MTV-friendly“ angesehen wurde.

Eine zweite Version wurde gedreht, die neben Sequenzen aus dem alten Video nun auch Szenen mit Prince am Klavier und seiner Band enthält. Allerdings ist das erste Video tatsächlich nicht besonders ästhetisch und wartet mit einem langen Vorspann ohne Musik auf. Dessenthalben habe ich hier auch auf die etwas eingängigere und genußfreundlichere zweite Version zurückgegriffen.

Im ersten Video sind der damalige Präsident George Bush senior und wohl auch der spätere Außenminister Colin Powell zu sehen, allerdings noch in seiner Zeit als hochdekorierter US-Militär. Szenen aus dem ersten Golfkrieg und Bilder aus der Zeit der Großen Depression in den Dreißigerjahren dominieren. Das Video ist eine Art Potpourri aus sozialer Not und elitärer Dekadenz.

Aus heutiger Sicht amüsant wirkt es, wenn kurz ein „Trump“-Werbeschriftzug auf einem der Wolkenkratzer des Immobilien-Moguls eingeblendet wird und selbiger kurz darauf in gönnerhafter Pose eines seiner Gebäude betritt. Da wirkt das Video fast wie ein Kommentar zur Gegenwart. Schade, daß es Prince nicht mehr vergönnt war, einen US-Präsidenten Donald Trump zu erleben.

Wem „Philadelphia Soul“ als Musikstil dieses Liedes nichts sagt, dem sei der Begriff „Phillysound“ nahegelegt, der dasselbe meint und eine Soul-Richtung bezeichnet, die sich Ende der Sechzigerjahre in den Sigma Sound Studios in Philadelphia herausbildete. Viele bekannte Klassiker entstanden dort, so z.B. „Me and Mrs. Jones“ von Billy Paul, „If you don’t know me by now“ von Harold Melvin & The Blue Notes oder „When will I see you“ von den Three Degrees.

„Money don‘t matter 2 night“ wurde allerdings nicht in den Sigma Sound Studios in Philadelphia aufgenommen, wie man annehmen könnte, sondern in den Warner Pioneer Studios in Tokio.

Das Lied ist also „made in Japan“.

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