Da im heutigen Diskurs Männer eigentlich an allem und jedem schuld sind, während Frauen als wahre Übermenschen gefeiert werden, deren goldenes Zeitalter angebrochen sei und die Menschheit von allem Übel erlösen werde – so zumindest in den Köpfen von Haltungs- und Qualitätsjournalisten -, ist es kein schlechtes Unterfangen, hier einmal herauszustellen, welche großen Hits der weiblichen Popgeschichte ureigentlich Männerwerk sind.

Es ist fürwahr erstaunlich, wieviele dieser Lieder auf männliche Schaffenskraft zurückgehen. Daß große Hits von weiblichen Interpreten auch tatsächlich von diesen Sängerinnen oder anderen Frauen geschrieben wurden, ist eher die große Ausnahme. Männer sind im Bereich der Musik eben schlicht talentierter, was auch kein Wunder ist angesichts der engen Verknüpfung des Musischen mit der Libido. Balz- und Minnegesang lassen grüßen. Eine gewisse Fähigkeit zur Ab-straktion und zum Systematisieren ist dem Komponieren vermutlich auch nicht abträglich.

Erstaunlich ist, wie dumm sich Menschen diesbezüglich stellen können – und wie extrem aggressiv gerade Männer, die sich für progressiv halten, mitunter auf solche Ansichten reagieren. „Diversity“ im Meinungsspektrum ist für viele Linke leider eine äußerst unerwünschte Kategorie. Die biologischen Zusammenhänge scheinen mir jedenfalls sehr naheliegend. Sie passen nur nicht zur Gehirnwäsche durch Gleichstellungsideologie und Gender-Esoterik. Viel lieber singt man das Klagelied der ewiglichen und niemals endenden „Diskriminierung“ von Frauen durch das „Patriarchat“ – und genießt die damit einhergehende Gewissensoptimierung.

Bestaunen und feiern wir also hier das Können der Männer, die dafür gesorgt haben, daß Frauen keine Randerscheinung in der Popmusik blieben. Und möge unsere Gesellschaft irgendwann so reifen, daß sie Männer und ihre Talente wieder zu schätzen weiß, statt sie mit Frauenquoten und Gender-Gedöns auszubremsen und schlechtzu-reden:

 

„Killing me softly with his song“

Bereits Roberta Flacks berühmte Interpretation von 1973 war ein Cover von Lori Lieberman (1972), Autoren waren Norman Gimbel und Charles Fox, die beide 1974, den Grammy für den „Song des Jahres“ erhielten. Mit vertauschten Rollen würde dieses Lied wohl wenig Sinn ergeben und kaum Anklang finden, aber das liegt sicherlich an der „Geschlechterordnung“, wie dies taffe Gender-„Forscherinnen“ immer wieder „nachweisen“.

Ironischerweise illustriert also gerade dieses Lied das Wesen von Musik recht exakt. Vermutlich gibt es schon etliche feministische Abhandlungen darüber, wie „sexistisch“ dieser Song sei und Frauen „objektifiziere“.

„First time“

Robin Becks erster großer Hit (1988), der in vielen Ländern die Spitze der Charts erreichte, wurde eigentlich für einen Werbespot von Coca Cola geschrieben. Komponiert wurde er selbstredend von drei Männern, nämlich Gavin Spencer, Tom Anthony, Terry Boyle.

„Downtown“

Dieses wunderbare Lied von Petula Clark aus dem Jahre 1964 wurde von Tony Hatch geschrieben, einem talentierten und erfolgreichen Produzenten, der eine zeitlang Clarks Stammkom-ponist war und viele Hits erschuf. Schon vor der Recherche zu diesem Lied konnte ich mir kaum vorstellen, daß hinter „Downtown“ kein männliches Genie stünde, was sich dann auch bewahrheitete. Der Song wurde in vielen Ländern Nr. 1 und 2003 in die Grammy Hall of Fame aufgenommen.

„I feel love“

Einer der Disko-Klassiker schlechthin, der auf keiner Party fehlen darf, wurde selbstredend von Gorgio Moroder „programmiert“. Es ist ein wunderbares Stück Zeitgeschichte und lädt zum Schwelgen im Lebensgefühl der späten Siebziger ein. Die spätere Techno-Ära wird in diesem Lied bereits vorweggenommen, das abgesehen von Donna Summers spärlichem Gesang aus-schließlich mit synthetischen Mitteln hergestellt und in München produziert wurde. Es erreichte 1977 den ersten bzw. dritten Platz der britischen und deutschen Charts.

„… Baby one more time“

Ursprünglich wurde dieses von Kritikern hochgelobte Lied für TLC geschrieben. Der schwedische Komponist Max Martin bot es dann aber Britney Spears an, die es auf ihrem gleichnamigen Debüt-Album verwendete und für die es den Durchbruch und einen weltweiten Megahit (1999) darstellte. Martin ist ein äußerst erfolgreicher Songschreiber der letzten Jahrzehnte, der auch für viele andere Stars große Hits komponierte.

 

 

 

„Walk like an Egyptian“

Auch dieser Hit der Bangles aus dem Jahre 1986 hört sich nicht so an, als wäre er von einer Frau komponiert worden. Und in der Tat ist er ein Werk des Songschreibers Liam Sternberg. Das Lied erreichte in vielen Ländern, auch in Deutschland, die Spitze der Charts. Sternberg erschuf auch die Melodie der Fernsehserie „21 Jump Street“.

„I will survive“

Gloria Gaynor schrieb keinen einzigen ihrer großen Hits selbst, so auch diesen aus dem Jahre 1978 nicht. Er wurde von Freddie Perren und Dino Fekaris komponiert und von Mac Huff ar-rangiert. „I will survive“ erreichte den ersten Platz der US-Charts und erhielt 1980 einen Grammy als bester Disko-Song.

„Straight up“

Paula Abduls großen Hit von 1988 schrieb und produzierte Elliot Wolff. Die Regie des prägnanten, in Schwarz-Weiß gehaltenen Musikvideos führte kein Geringerer als der damals noch unbekannte David Fincher. Gewissermaßen gleich doppelte Manpower, die hinter diesem Song steht. „Straight up“ erreichte 1989 Platz 1 in den USA und Platz 3 in Deutschland.

„(I’ll Never Be) Maria Magdalena“

Sandras Megahit von 1985 wurde von gleich vier Männern geschrieben: Michael Cretu, Markus Löhr, Richard Palmer-James und Hubert Kah. Ersterer ist auch ihr Ehemann. Letzterer zeichnete für den Refrain verantwortlich. Das Lied nimmt inhaltlich bezug zur durch Jesus Christus geläuterten Prostitu-ierten. Das lyrische Ich schafft es nicht, sich vom promisken Lebensstil loszusagen. Das Lied erreichte in insgesamt 21 Ländern die Spitze der Charts. In Schweden wurde es die bis dahin erfolgreichste Single einer Solo-Künstlerin.

„My heart will go on“

Der Filmkomponist James Horner schrieb den Titelsong für das Katastrophendrama „Titanic“, und Céline Dion war auch seine Wunschkandidatin für die Interpretation des Stücks. Der Text stammt von Will Jennings. Dion wollte das Lied zunächst nicht singen, konnte aber von ihrem Manager und Ehemann schließlich überredet werden. Produzent war Walter Afanasieff.

Wie so oft wurde hier eine Sängerin also von tatkräftigen Männern regelrecht zum Erfolg geprügelt. „My heart will go on“ wurde zur erfolgreichsten Single von Céline Dion und zum meistgekauften Lied im Jahre 1998. Es erhielt einen Oscar für den besten Filmsong des Jahres und diverse Grammys. In zahlreichen Ländern erreichte es die Spitze der Charts.

 

 

„Voyage, voyage“

Dieser schwungvolle Synthiepopsong von 1986 wurde von Dominique Albert Dubois und Jean-Michel Rivat geschrieben und weist Einflüsse des damals populären Subgenres HiNRG auf. Für die Sängerin Desireless war er ein One Hit Wonder, das aber immerhin in mehr als 10 Ländern zur Nr. 1 wurde. In Deutsch-land war es das Lied, das sich 1987 am längsten in den Charts hielt. Neben „Ella, elle l’a“ von France Gall und „Alors on danse“ von Stromae ist „Voyage, voyage“ einer von nur drei französischsprachigen Nummer-eins-Hits hierzulande.

„Black velvet“

Alannah Miles nahm diese markante Bluesrock-Ballade für ihr Debütalbum von 1989 auf. Komponiert wurde das Lied von den kanadischen Musikern David Tyson und Christopher Ward. „Black Velvet“ ist eine Hommage an Elvis Presley und anläßlich seines zehnten Todestages entstanden. Das Lied wurde 1990 ein großer Hit u.a. in Deutschland, den USA und Großbritannien. Alannah Miles wurde für ihre Gesangsdarbietung mit einem Grammy geehrt.

„Let’s talk about sex“

Bei einem Lied wie diesem Hip-Hop-Track von Salt-n-Pepa könnte man meinen, es sei eine Eigenkomposition, da es eine gewisse Authentizität ausstrahlt und der Gesang von allen drei Frauen bestritten wird. Ich hatte jedenfalls nicht damit gerechnet, daß Salt-n-Pepa hier nur eine Komposition von Hurby Azor nachsingen, der das Lied auch produziert hat (1991) und bereits den früheren Hit „Push it“ schrieb (1987).
„Let‘s talk about sex“ wurde ein großer Erfolg in den Charts und erreichte die Spitzenposition in vielen europäischen Ländern, darunter Deutschland. Sehr bezeichnend hingegen ist, daß diese US-Produktion nur Platz 13 in den prüden Staaten von Amerika erreichte.

„Show me love“

Und noch mal die Neunziger. Dieser House-Klassiker der US-amerikanischen Sängerin Robin S. aus dem Jahre 1993 war zwar kein Alpha-Hit, aber schaffte es immerhin auf Platz 6 im Vereinigten Königreich sowie auf Platz 5 der US-Charts. In Deutschland reichte es nur für Platz 11.
Und allein vom Hören her stand zu vermuten, daß der Song Männerwerk ist – was sich auch als wahr herausstellte. Geschaffen wurde er von den Songwritern Allen George und Fred McFarlane. Letzterer schrieb eine ganze Reihe von R&B- und Dance-Nummern und produzierte Jocelyn Browns Beta-Hit „Somebody Else’s Guy“ aus dem Jahre 1984. Leider verstarb McFarlane bereits 2016 im Alter von 55 Jahren.

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