Die Idee zu diesem Blog kam mir, als ich Ende 2018 das unfaßbar tolle „Him“ von Rupert Holmes im Radio hörte, wo es eigentlich nicht zum normalen Repertoire gehört. Das Lied zeigt wunderbar, wofür Musik eigentlich da ist und was sie leisten kann. Beim Hören von „Him“ kann man sich jedenfalls wunderbar in die Siebzigerjahre hineinversetzen und in vergangenen Zeiten schwelgen. Das ganze Lebensgefühl schwingt in den besten Klassikern mit. Man hat das Gefühl, auf eine Zeitreise zu gehen.

Wenn man heute das Radio anmacht und aktuelle Hits hört, muß man in der Regel eine Art Fastfood ertragen. Man könnte auch von einer McDonaldisierung der Popmusik sprechen. Dagegen hat man bei vielen Klassikern das Gefühl, wahre Kunstwerke mit einer fast metaphysischen Aura zu hören.

Zwar gibt es auch heute noch vereinzelt gute Lieder, aber das sind absolute Ausnahmen. Und selbst die können sich meist nicht mit den Klassikern messen.

Ich persönlich liebe schon lange die Musik der Sechziger-, Siebziger- und Achtzigerjahre. Daher nun dieses Blog. Es gibt nichts Schöneres, als sich diese Perlen der Musikgeschichte zu Gemüte zu führen. Ich selbst bin Ende 1977 geboren, und mein musikalisches Bewußtsein erwachte daher ironischerweise erst in den Jahren 1989/90. Ich erinnere mich an eine legendäre Szene, als ich noch zu DDR-Zeiten mit meinen Freunden auf Klassenfahrt in einem verlassenen Raum vor einem Kassettenrekorder stand und wir uns immer wieder und wieder fasziniert „The Power“ von Snap reinzogen. Wir standen völlig gebannt vor dem Gerät und genossen den neuartigen, damals revolutionären Sound.

Das war meine musikalische Urszene. Ich und meine Freunde sind also mit der Initialzündung des „Eurodance“ in die Musikwelt eingetreten, damals bekannt unter dem Namen „Dancefloor“. Mich begleiteten New Kids on the Block, Vanilla Ice, MC Hammer und später diverse Eurodance-Klassiker wie z.B. von Culture Beat. Ich habe allerdings auch den letzten guten Zipfel der Achtzigerjahre mitbekommen und erinnere mich noch, wie ich diverse Lieder aus der Zeit auf Kassette aufnahm.

Ich hatte also das große Glück, daß ich musikalisch die Achtziger noch bewußt erlebte und auch unbewußt die Musik dieser Zeit in meinem Blut habe.

Mit diesem Blog verfolge ich mehrere Ziele:

Zunächst einmal soll den Klassikern der Popära die Reverenz erwiesen werden. Kleine Texte unter den Videos sollen kurz Auskunft geben über Künstler und das „kuratierte“ Lied. Dabei beziehe ich meine Informationen im wesentlichen aus Wikipedia-Artikeln oder Radio-Kommentaren und versuche, möglichst kurzweilige Texte zu verfassen, die das Wichtigste enthalten.

Es gibt natürlich unzählige gute Lieder aus vergangenen Zeiten. Daher wird ein wichtiger Schwerpunkt dieses Blogs darin liegen, die eher selten im Radio gespielten und weniger bekannten musikalischen Kulturgüter der Nachwelt zu präsentieren.

Da mein musikalisches Bewußtsein vor allem in der ersten Hälfte der Neunziger geprägt wurde, ist ein zweiter wichtiger Schwerpunkt dieses Blogs die Rehabilitation dieses Jahrzehnts, welches einen ungeheuer schlechten Ruf hat, aber bei genauerem Hinsehen erstaunlich viel Tolles zu bieten hat. Vor allem die erste Hälfte der Neunziger muß sich keineswegs in der Musikgeschichte verstecken.

Es kann aber auch niemand leugnen, daß mit diesem Jahrzehnt ein dramatischer Niedergang einsetzte, der uns mit diversen Trashprodukten wie z.B. „Erotic“ oder „Army of Lovers“ beglückte. Die McDonaldisierung der Musik ist stark mit diesem Jahrzehnt verbunden, das uns auch mit zahlreichen mißlungenen Cover-Versionen traktierte, die heute keiner mehr kennt.

Da ich mich selbst gegen Mitte der Neunziger aus der aktuellen Musikrezeption ausklinkte und schon früh den Popklassikern zuwandte, ist ein dritter Schwerpunkt dieses Blogs gewissermaßen das Selbststudium. Ich gebe mir quasi selbst Nachhilfe und werde ab und an auch junge Klassiker aus den Nuller-, den Zehnerjahren und letzten Neunzigern, die ich selbst nicht mehr richtig mitbekam, ausstellen. Ich bin selbst manchmal erstaunt, wieviel gute Lieder seit ca. 1997 einfach an mir vorbeigegangen sind oder die ich nur flüchtig wahrgenommen habe.

Für mich selbst ist es natürlich auch interessant, das eine oder andere Detail über die Geschichte eines bestimmten Liedes oder Künstlers zu erfahren. Und ich hoffe inständg, daß dies auch anderen so geht und mein Blog ein gewisses Publikum erreicht. Mögen auch die jüngeren Generationen, die nach 1990 geboren wurden, Gefallen an den Popklassikern finden.

Mir ist diesbezüglich ein Youtube-Kommentar zu „Rave Olympia“ von den Members of Mayday in Erinnerung. Ungefähr im Jahre 2015 schrieb dort ein Vierzehnjähriger, wie sehr er die Techno-Klassiker verehre und was für einen Bullshit man heutzutage erdulden müsse. Die Techno-Klassiker werden zwar eher nicht Thema dieses Blogs sein, aber es ist zu vermuten, daß dieses Teenager-Statement repräsentativ ist für die gesamte Popmusik. Es ist schön, solche Worte von jungen Leuten zu hören, und man kann in der Tat eine Menge solcher Kommentare auch unter anderen Youtube-Videos lesen.

Das ist irgendwie auch nicht weiter verwunderlich, wenn man heutzutage das Radio anmacht. Umso entschiedener gilt es daher die Klassiker zu würdigen und auch die unbekannteren unter diesen wieder ins Rampenlicht zu rücken. Viele von uns können froh sein, zumindest einen Teil dieser Ära leibhaftig miterlebt zu haben.

Was das 17., 18. und 19. Jahrhundert für die E-Musik sind, also Bach, Mozart, Beethoven und Konsorten, das scheinen die Sechziger-, Siebziger- und Achtzigerjahre für die Popmusik zu sein.

Etwas, das nie wieder kommen wird. Und dessen Qualität unerreicht bleibt.

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